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AWD Arena, Hannover, Germany 
Tour

AWD Arena, Hannover, Germany
on July 19th. 2006

The Rolling Stones fly in to Hannover from Berlin in the afternoon - and then go back to their hotel in Berlin after the show.

 

Set list:

Jumpin' Jack Flash -  It's Only Rock'n'Roll - Oh No, Not You Again - Let's Spend The Night Together - Tumbling Dice - As Tears Go By - Streets of Love - Midnight Rambler - Night Timem Is The Right Time - Intros - Slipping Away - Before They Make Me Run -  Miss You - Rough Justice - You Got Me Rocking - Honky Tonk Women - Sympathy For The Devil - Start Me Up - Brown Sugar - You Can't Always Get What You Want (encore)- Satisfaction (encore)

 

 

Reviews:

Der große Bang knallte in Hannover

Eine Bibliotheksleiter war es 1998. Ausgerechnet die Bibliotheksleiter, haha, der Richards, wie er sich womöglich Hunter S. Thompson aus der obersten Reihe angelt. Rippenbruch. Der Tourstart 1998 musste verschoben werden. Und nun, 2006, war es also die Palme auf den Fidschi-Inseln, von der der Stones-Gitarrist gestürzt ist. Die Folge: Kopfverletzung, Operation, abgesagte Konzerte, verspäteter Tourneebeginn, der ganze Schlamassel. Aber ob Keith Richards nun in Wahrheit beim Rasenmähen über eine Baumwurzel gestolpert oder tatsächlich beim Kokosnusspflücken vom Ast gerauscht ist – jetzt, kurz vor 21 Uhr am Mittwochabend, steht er auf der Bühne in der AWD-Arena und klammert sich an der Gitarre fest (oder klammert sich die Gitarre an ihn?). Er würgt seine Telecaster und schüttelt ihr das Riff von „Jumpin‘ Jack Flash” aus den Rippen, dass die Funken sprühen. Er senst ein Solo zwischen den rauen Beat von „It‘s only Rock ‘n‘ Roll”, das mit Virtuosität nicht viel zu tun hat – aber dafür um so mehr mit Seele. Er macht uns neben dem wie aufgezogen rennenden, zuckenden, hüftkreiselnden, gockelnden Jagger den lustig-schrumpeligen Geisterbahnmann und bietet den voreiligen Leichenfledderern („Die sind doch lange klinisch tot!”) die zerfurchte Stirn – und grinst. Memento mori. Memento Stones.

Keith Richards ist gut drauf, rumpelt unnachahmlich über den Gitarrenhals, krächzt ganz wunderbar soulig ins Mikro („Slipping away”), Charlie Watts klöppelt zuverlässig seinen Beat, Ron Wood füllt jede Lücke mit einer Slideeinlage, und Jagger fühlt sich offensichtlich wie 26, nicht 62. Wer im Innenraum steht, hat die Arme oben vor Glück. Wer auf den Rängen sitzt, auch. Und wer auf den in die parkhausähnliche Bühnenkonstruktion eingebundenen Balkonen (zum extrateuren Tarif) steht, guckt sich die Menge und Charlie Watts‘ Drumset von oben an. Das ist doch auch was.

„It‘s only Rock ‘n‘ Roll, but I like it”. Darum geht es. Nicht mehr und nicht weniger. Und dass Rock ‘n‘ Roll viel ist, nur nicht unbedeutend, weiß niemand besser als die Rolling Stones. Als sie anfingen, in den frühen Sechzigern, hat es geknallt. Sie waren die „bad boys”, rebellisch, provokant. Vier Jahrzehnte später ist Rock friedlich eingenickt; viele Weggefährten von damals sind gestorben oder längst in Pension. Nur die Stones geben einfach nicht auf. „A Bigger Bang”, ihr jüngstes Album vom letzten Jahr, ist das Motto dieser Tournee. Und natürlich knallt es dementsprechend groß bei dieser Show, der ersten Musikshow im hannoverschen Stadion, seit es AWD-Arena heißt. Fünf Tage dauerte der Aufbau der Bühne. Mit riesiger Zunge natürlich. Mit ausfahrbarer Extrabühne, die die ganze Band und „Miss you” im Gepäck direkt in den Stadioninnenraum führt. Mit Feuerkram. Und riesigen Videowänden. Die Kamera zoomt auf den Totenkopfring an Richards‘ Finger, und man muss sich zwingen, den Blick von den Bildschirmen abzuwenden, hin zu den kleinen Männchen auf der Bühne. Echte Menschen, in die Jahre gekommen. Genauso wie wir, die wir uns – bei Ticketpreisen zwischen 80 und 200 Euro – zum Urgestein des Rock-‘n‘-Roll-Zirkus aufgemacht haben.

Vielleicht ist es ja doch die letzte Gelegenheit, „Let‘s spend the night together”, „Start me up”, „Sympathy for the devil”, „Brown sugar” oder „Satisfaction” live zu hören. Mick wird schließlich in einer Woche 63, Charlie ist schon 65 (und erst seit kurzer Zeit von einer Krebserkrankung genesen) – und wer weiß, von wo Keith das nächste Mal herunterfällt. Aber kann man es sich ernsthaft vorstellen, dass diese Band jemals aufhört? Dass Jagger nicht mehr ins Fitnessstudio geht? Dass Watts nur noch dezenten Swing spielt? Dass Richards seine Gitarren versteigert? Und was sollte dann aus Ron Wood werden? Wer nimmt denn noch einen 59-jährigen Gitarristen?

Noch ist es nicht so weit. Noch haben sie Spaß am unbändigen Rock ‘n‘ Roll und am räudigen Blues.

Weitere Stationen der Rolling Stones in Deutschland: Berlin (21.7.), Köln (23.7.) und Stuttgart (3.8.)

The building of the stage since Friday: 

Bühne frei für die Edel-Steine

Ein wenig sieht es aus wie ein großes Insekt, das da in der AWD-Arena gelandet ist. Wie eine riesige Stubenfliege mit ihren zwei Flügeln macht sich der gewaltige Stahlkoloss in der Nordkurve des Stadions breit – für die Stones.

Fliegenfänger sind in diesem Fall die Herren Jagger, Richards, Wood und Watts. Die vier geben heute auf der 62 Meter breiten, 30 Meter tiefen und 28 Meter hohen Bühnenkonstruktion mit den flügelähnlichen Aufbauten rechts und links das vierte Konzert ihrer Europatournee. Nach Mailand, Wien und München kommen die Rolling Stones nun in Hannover an – um 17 Uhr mit einer Boeing auf dem Flughafen Langenhagen. Starten werden sie zuvor in Berlin-Schönefeld, denn im Berliner „Ritz“-Hotel haben sie ihre Suiten für den Schlaf nach der Show gebucht.

Seit Freitag wird die Arena für die Superschau umgebaut. Heute, zum Einlass um 15 Uhr, muss alles fertig sein. Wie immer bei den Stones ist alles gigantisch, 300 Tonnen wiegt ihr Bühnenaufbau, die Leinwand ist mit 15 mal 15 Metern die größte, seit die Truppe im Geschäft ist. Und die vermeintlichen Fliegenflügel sind Balkone, von denen Superfans mit Karten zu Superpreisen zuschauen dürfen. Ihnen und denjenigen mit Sitzplätzen in der Arena wird die Sonne nicht so auf den Kopf knallen wie dem Publikum im Innenraum. Doch das Congress Centrum als Gastronomiepächter hat für ausreichend Getränke gesorgt, zusätzlich halten die Sanitäter des ASB Wasserrationen bereit.

Für das Stones-Konzert gibt es noch Karten zu Preisen von 85,50 Euro bis 205,50 Euro. Sie sind erhältlich unter Telefon 44 40 66 und an den bekannten Vorverkaufsstellen.

 

 

 

 

Bigger Bang Tour 2005-06

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