AOL Arena, Hamburg
on Thursday July 24th. 2003.
Back in Germany again after the wonderful week in Sweden. Around 40.000
people attended the show at HSV football club in Hamburg. The warm-up band again
was Pretenders.
This evening it was after half the show some showers rolling over the arena.
Set list:
Brown Sugar - Start Me Up - You Got Me Rocking - Don't Stop - Angie - You Can't
Always Get What You Want - Can't You Hear Me Knocking - Tumbling Dice - Slipping
Away - Before They Make Me Run - Sympathy For The Devil - Respectable - I Just
Want To Make Love To You - Street Fighting Man - Gimme Shelter - It's Only
Rock'n'Roll - Honky Tonk Women - Satisfaction - Jumping Jack Flash
Mick
schickt Hamburg zurück in die Steinzeit
TIMO HOFFMANN
Die gigantischste Oldie-Show der Welt: Die Rolling Stones begeisterten 40 000
Fans in der AOL Arena mit Hits und Feuerzungen
Schleck! Die bunte Zunge leckte am Donnerstagabend genüsslich ganz Hamburg ab.
Von T-Shirts, Autos, Buttons, von Tattoos und schließlich auch von einer
riesigen Videoleinwand in der AOL Arena. Ein Manga-Mädchen reitet dort auf dem
Emblem der letzten bestehenden Rock'n'Roll-Dinosaurier der Welt: Knapp fünf
Jahre nach ihrem letzten Konzert in Hamburg auf der Trabrennbahn schmettern die
Rolling Stones vor mehr als 40000 Zuschauern rund 20 ihrer unsterblichen Hymnen.
Flammenzungen lodern aus dem Bühnendach, Raketen steigen in den Himmel und
rotes Konfetti regnet aus vier Kanonen. Eine furiose Feier zu Ehren des größten
Wunders der Popgeschichte: Ausgerechnet die vier berüchtigsten Nachteulen des
Musikgeschäfts - man denke an Keith Richards berühmten Heroinschuss bei einer
Gruppensexparty im Tournee-Jet oder Ron Woods dem Kokainkonsum geopferte
Nasenscheidewand - sind nach mehr als 40 exzessiven Band-Jahren noch zu einer
einjährigen Welttournee vor drei Millionen Fans fähig und bereit. Wieder
einmal könnte es sich um das letzte Mal handeln.
Dass das um sechs Live-Musiker und drei Sänger verstärkte Quartett nach der
Vorgruppe Pretenders mit dem 32 Jahre alten Song "Brown Sugar" (wurde
ihnen kürzlich beim China-Auftritt verboten) loslegt, gibt bereits die
Marschrichtung vor: Mit der aktuellen Best-Of-Platte "40 Licks" im Gepäck,
konzentrieren Mick Jagger (59), Keith Richards (59), Ron Wood (56) und Charlie
Watts (62) sich überwiegend auf Klassiker aus ihrer kreativen Blütezeit in den
60er und 70er Jahren.
Mit dem Bassisten Darryl Jones, den Saxofonisten Bobby Keys und Tim Rice,
Keyboarder Chuck Leavell, dem Trompeter Kent Smith, dem Posaunisten Michael
Davis sowie den Gast-Sängern Bernard Fowler, Blondie Chaplin und Lisa Fischer
sind größtenteils altbekannte Stones-Unterstützer am Werke.
Zwar singt Jagger zwei Tage vor seinem 60. Geburtstag in den schrägsten Posen
zunächst auch jüngere Songs wie "You Got Me Rocking", "Start Me
Up" (einst an Bill Gates für "Windows 95" verscherbelt) und
"Don't Stop", widmet sich aber im weiteren Verlauf des Auftritts vor
allem den unsterblichen Soundtracks der Band zum gesellschaftlichen Aufbruch in
den späten sechziger Jahren: Songs wie "You Can't Always Get What You Want"
vom legendären Album "Let It Bleed" von 1969 schmücken wie
selbstverständlich das Programm. Ein Geschenk an das dankbare Auditorium. Ein
Zeichen für eine realistische Einschätzung ihres Lebenswerkes und der
Publikumserwartung. Aber auch ein Indiz dafür, dass die Stones ihren
ungebrochenen Erfolg heute vor allem dem unermüdlichen Aufwärmen jugendlicher
Heldentaten verdanken.
So mag ihr Konzert zu großen Teilen eine Oldie-Show sein, doch es ist die
authentischste und gigantischste der Welt: Mit 250 000 Watt krachen ihre
Klassiker aus den Boxen der von 150 Mitarbeitern aufgebauten und von 53 Trucks
beförderten, 25 Meter hohen 350-Tonnen-Bühne.
Bliebe da noch das Hamburger Wetter: Schon die Vorhersagen warnten vor schweren
Gewittern, Starkregen, Hagel und Sturmböen von bis zu 100 Kilometer pro Stunde.
Passend zum Song "You Can't Always Get What You Want".
|