HSH
Nordbank Arena, Hamburg, Germany
on August 15th. 2007The day before the show Stones arrived to their hotel
in the heart of Hamburg.
Set list:
Start Me Up - Lets Spend The Night Together - Rough Justice - Rocks
Off - Love Is Strong - Ruby Tuesday - Midnight Rambler - I'll Go Crazy -
Tumbling Dice - Intros - You Got The Silver - Wanna Hold You - Miss You - It's
Only Rock'n'Roll - Satisfaction - Honky Tonk Women - Sympathy For The Devil -
Paint it Black - Jumpin' Jack Flash - Brown Sugar (encore)
Review:
Die alten Herren ließen's krachen
Kein böses Wort über Rock-Geriatrie oder Rentnerband. Die Rolling Stones
waren in Topform und das Publikum begeistert.
Von Birgit Reuther, Heinrich Oehmsen
Hamburg -
Ein Gitarrenriff - und die Fans jubeln. Natürlich haben sie schon nach einem
Takt erkannt, mit welchem Song die Rolling Stones ihr Hamburger Konzert in der
HSH-Nordbank-Arena eröffnen, denn Keith Richards' Gitarrenspiel ist eben
unnachahmlich. Er ist vielleicht nicht der Schnellste oder der Beste seiner
Zunft, aber Richards hat seinen speziellen Sound schon lange gefunden. Vor
Jahrzehnten. Mit "Start Me Up" geht es um 21 Uhr los, jenem Hit aus
dem Jahr 1981 und der letzten Top-Ten-Single, die die Band in ihrer britischen
Heimat hatte.
Aber warum die Stones 75 Minuten brauchen, bis sie die Bühne nach der sehr
respektablen Vorgruppe Starsailor betreten, will sich vielen Fans nicht erschließen.
Früher hieß es bei Jagger und Co. noch "No snow, no show", aber die
Zeiten des Kokainschnupfens sind bei den Jurassic Four lange vorbei. Allerdings
vergeben ihnen die Fans sofort. Denn das Quartett und die neun weiteren Musiker
steigen gleich voll ein. Nach "Let's Spend The Night Together" geht es
mit "Rough Justice" und "Rocks Off" vom "Exile On Main
Street"-Album weiter. Unaufhörlich rollt die Rockmaschine der Stones. Sie
sind wieder mal ihr Geld wert.
Zwar sind nur knapp 30 000 Fans in die nicht ausverkaufte HSH-Nordbank-Arena
gekommen, doch die Einnahmen sind höher als bei anderen Künstlern, denn die
Stones verlangen Eintrittspreise bis zu 190 Euro. Diese Summe haben Jochen Schröder
und Angelika Krebs-Schröder im Vorverkauf hingelegt. "Zuerst mussten wir
schon schlucken bei dem Preis", sagt sie. Doch er ergänzt: "In
Relation zu anderen Dingen, für die man Geld ausgibt, ist das o. k."
Immerhin sind die beiden Fans der ersten Stunde. Die 55-Jährige war sogar mit
15 schon dabei, als die Stones in Hamburg die Ernst-Merck-Halle gerockt haben.
"Damals habe ich kein Wort verstanden, weil das Gekreische der Fans so laut
war."
An der Tageskasse fiel der Karten-Kurs schließlich auf 59 Euro. Kürzlich
sagte Keith Ri-chards: "Wir machen das nicht wegen des Geldes, wir brauchen
diesen Geruch und das Geschrei der Menge und die Energie, die entsteht."
Energie haben die vier Stones allemal. Kein böses Wort über Rock-Geriatrie
oder Rentnerband. Obwohl bereits seit Anfang Juni in Europa auf Tour, sind bei
Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts keine Verschleißerscheinungen
zu spüren. Während die Herren auf der Bühne ihr Letztes geben, können es
sich die Fans gemütlich machen. Stehplätze gibt's in Hamburg nicht. Wer
mittanzen will, muss aufstehen. Und das haben viele getan.
Sie hängen an Jaggers Lippen, der in hautengen Jeans und T-Shirt über die Bühne
joggt. Die Band legt eine unglaubliche Tour de Force hin, die nach einer halben
Stunde in einer zehnminütigen Version von "Midnight Rambler" gipfelt.
Blues so schwarz, wie er nur in irgendwelchen Kaschemmen im Süden der USA
entstehen kann, aber von diesen Multimillionären genial gespielt wird. Der
Blues ist ihnen ins Blut übergegangen, dieses Gefühl kann offensichtlich auch
kein Bankkonto zerstören. Jaggers Tanzeinlage lässt die Menge erst recht
ausrasten.
"I'll Go Crazy" widmen die Stones dem im Dezember verstorbenen
James Brown. Die Menge ist aus dem Häuschen, ausgereckte Hände schlagen den
Beat in der Luft, als wollten sie Jagger und die Musiker weiter anfeuern. Aber
das ist an diesem Abend nicht nötig, denn die Rolling Stones geben alles. Hit
auf Hit hauen sie aus ihrem schier unerschöpflichen Repertoire heraus. Ein
weiterer Höhepunkt dieser gewaltigen Show ist die sogenannte B-Stage, die in
die Arena hineingefahren wird. "Miss You", "It's Only Rock 'n'
Roll" und "Honky Tonk Women" gibt es inmitten der Fans. Plötzlich
wird aus dem riesigen Stadion ein intimer Raum. Und spätestens jetzt gibt es
niemanden mehr, der bereut, so viel Geld für die "größte
Rock-'n'-Roll-Band der Welt" ausgegeben zu haben.
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